Unter diesem Titel konnte man am Samstag, 24. Oktober 2026, ein außergewöhnliches Konzert für Sopran und Orgel in der Neuapostolischen Kirche Lindau erleben.
Den Auftakt machte die Orgel mit „Praeambulum festivum“ über den Choral „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“ von Sigfried Karg-Elert; eine wahrhaft sprühend-festliche Eröffnung. Es folgten geistliche Lieder und Arien für Sopran und Orgel, darunter auch bekannte Stücke wie Wolfgang Amadeus Mozarts „Ave verum“, „Domine Deus“ aus dem „Gloria“ von Antonio Vivaldi oder „The Lord bless you and keep you“ von John Rutter. Daneben ließen virtuose Vertonungen geistlicher Texte aufhorchen wie z.B. „Panis angelicus“ aus der „Messe solennelle“ von Cesar Franck. Die Sopranistin Verena Seid vermochte mit großer und facettenreicher Stimme die unterschiedlichen Stücke eindrucksvoll zur Wirkung zu bringen. An der Orgel wurde sie souverän und in sensibler Weise von Nico Maurice Schumann begleitet. Seine unverzichtbare Helferin hatte die Aufgabe, das Umblättern und das Registrieren in Sekundeschnelle zu bewerkstelligen, was bei dieser klanglich und dynamisch sehr abwechslungsreichen Musik ein sportliche Herausforderung ist.
Orgel-Solostücke rahmten die Folge der geistlichen Lieder und Arien ein. Hierbei fiel auf, dass dabei nur Orgelstücke des Komponisten Sigfrid Karg-Elert ausgewählt wurden. Allesamt Bearbeitungen bekannter Choräle wie zum Beispiel „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Diese Auswahl hatte einen Hintergrund: Karg-Elert wurde im gleichen Ort wie der junge Organist geboren, nämlich in Oberndorf am jungen Neckar. Auf der Lindauer Orgel klingt - trotz ihrer geringen Registerzahl - die Musik von Karg-Elert sehr überzeugend. Die Orgel ist selbst ein Zeugnis der Epoche der Spätromantik und wie auch Karg-Elert feiert sie im nächsten Jahr ihren 150-sten „Geburtstag“. Ihre Heimat ist England und sie befindet sich weitgehend im Originalzustand. Sie ist – wie man hören konnte – nicht nur für die Gemeindebegleitung, sondern auch für gelegentliche Konzerte bestens geeignet. Das spricht für ihre handwerkliche Qualität. Sie zieht immer wieder die Aufmerksamkeit von Fachleuten, sowohl von Orgelbauern als auch Organisten, auf sich.
Die beiden Musiker hatten wahre „Juwelen der Kirchenmusik“ zum Strahlen gebracht. Die begeisterten Zuhörer dankten dies mit ausgiebigem Applaus.
Die Sopranistin Verena Seid, eine im In- und Ausland gefragte Künstlerin, arbeitet neben ihren Engagements als Solistin auch als Gesangspädagogin.
Der Organist Nico Maurice Schumann ist Gewinner mehrerer Wettbewerbe und absolviert derzeit ein Masterstudium im Fach Orgel.
Fotos: Martina Traub